Das Modell Baugemeinschaft

Wie es funktioniert


Beim Modell der Baugemeinschaft schliessen sich Einzelpersonen zu einer Gruppe zusammen, um gemeinsam ein Wohnprojekt zu entwickeln und zu bauen. Als Eigenentwickler nimmt die Gruppe die Planung selbst an die Hand und setzt ihre Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Wohnen in die Realität um. Baugemeinschaften bauen bedarfsgerechten, qualitätsvollen und oft auch besonders ökologischen Wohnraum. >Mehr

Weil Baugemeinschaften keine Gewinnabsichten hegen und Eigenleistungen einbringen, sind sie im Kostenvorteil: Wer in der Gruppe baut, spart in der Regel 10 bis 20 Prozent der Baukosten. Voraussetzung ist ein hoher persönlicher Einsatz der Mitglieder vor allem während der Planungsphase. Das Baugemeinschaftsmodell lässt sich mit verschiedenen Partizipationsgraden anwenden: Freie Baugemeinschaften finden selbstständig zueinander und kaufen dann ein Grundstück, in anderen Fällen suchen Fachleute wie beispielsweise spezialisierte Architekten zunächst das Grundstück – und dann die Mitglieder der Baugemeinschaft.

Um die anspruchsvollen sozialen, ökologischen und ökonomischen Ziele zu erreichen, setzen Baugemeinschaften in der Regel auf die Zusammenarbeit mit externen Fachpersonen. Sie lassen sich in Bezug auf den Planungs- und Bauprozess, auf Finanzierung und Verträge kompetent beraten. Die häufigsten Rechtsformen sind die GbR und die Baugenossenschaft. Viele Baugruppen streben auch Realeigentum oder eine Wohnungseigentümergemeinschaft an. >Zurück
Die Anfänge der Baugemeinschaften
Freiburg im Breisgau gilt als Geburtsstätte der Baugruppen-Bewegung. Mitte der 1980-er Jahre formierten sich in den Entwicklungsgebieten Rieselfeld und Vauban die ersten Baugemeinschaften. Birgit Ochs schildert die Geburtsstunde eines Modells, das Schule machte: >Mehr

Im Sommer 1985 ist die Idee in Freiburg noch frisch und neu: Zehn junge Familien schließen sich unter der Regie eines Architekten zusammen. Alle sind um die 30 Jahre alt. Sie haben viele Ideen und wenig Geld. Ihr Traum: Sie wollen gemeinsam bauen, um die Kosten zu senken - für jede Familie ein eigenes Reihenhaus, für die Gemeinschaft einen großen Garten. Man trifft sich zu Sitzungen - plant, zankt, rauft sich wieder zusammen. Nach nur einem Jahr Vorlauf überlässt die Stadt der jungen Bauherrengemeinschaft ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück in Erbpacht. Das ist der Startschuss für Freiburgs erste Baugruppe, die ‚Tränkematten’.

Die Stadt im Breisgau galt lange Zeit als Hochburg des gemeinschaftlichen Bauens. Gleichgesinnte schlossen sich zu Genossenschaften oder privaten Baugruppen zusammen, um Mietshäuser und Eigenheime zu errichten. An die 200 gemeinschaftliche Bauvorhaben mit etwa 1400 Wohneinheiten zählt der Architekt und Vorsitzende des Bundesverbands Baugemeinschaften, Hubert Burdenski, in Freiburg. Die Politik hat sie gezielt gefördert. Denn im Rathaus erkannte man schnell, dass das Engagement der Gruppen wie ein Katalysator wirken kann, wenn es darum geht, neue Baugebiete zu entwickeln. "Im Vauban und im Rieselfeld hat Freiburg auf solche Projekte gesetzt", sagt der Architekt. "Die riesigen Neubaugebiete seien für Bauträger erst durch die Vorleistung der Baugemeinschaften interessant geworden." (Faz.net, Birgit Ochs, 3. Oktober 2010) >Zurück
Baugemeinschaften und Stadtentwicklung
Zu Beginn von vielen belächelt, sind Baugemeinschaften heute beachtete Akteure in der Quartier- und Stadtentwicklung. Sie haben sich als erfolgreiches Modell etabliert und werden in zahlreichen deutschen Städten auch gezielt gefördert. >Mehr

Baugemeinschaften stehen für einen schonungsvollen Umgang mit Ressourcen, innovative Wohnkonzepte, hohe bauliche Qualität und ein bürgerschaftliches Engagement, das ins Quartier ausstrahlt. So entstehen stabile Nachbarschaften und festigen sich Quartiere. Das Modell wird breit angewendet: bei Neubauten genauso wie bei der Revitalisierung bestehender Bauten, beim Schliessen kleiner Baulücken genauso wie in grossen, städtischen Entwicklungsgebieten. Wo Baugemeinschaften „grossflächig“ zum Zug kommen, lässt sich allerdings eine abnehmende soziale Durchmischung feststellen. >Zurück
Baugemeinschaften in der Schweiz
Es gibt in der Schweiz zwar private Initiativen in der Art von Baugemeinschaften. Das Modell ist in der breiten Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt oder firmiert unter dem Begriff Genossenschaft - der von Wohnbauinitiativen am Häufigsten gewählten Rechtsform. Das Modell wird an Bekanntheit gewinnen, sobald erste Projekte realisiert sind, beispielsweise auf Erlenmatt Ost in Basel.
Baugemeinschaften in Deutschland
Seit 1985 hat das Modell der Baugemeinschaften in weiten Teilen Deutschlands Verbreitung gefunden, vor allem in städtischen Gebieten. In den Universitätsstädten Freiburg und Tübingen beispielsweise ist der Anteil der Baugemeinschaften an der Wohnungsproduktion ansehnlich.

Hamburg hat 20 Prozent aller städtischen Geschossflächen im Wohnungsbau für Baugemeinschaften reserviert und mit der beim Amt für Wohnungswesen angesiedelten Agentur für Baugemeinschaften eine professionelle Beratung für Interessierte geschaffen. Die staatliche Unterstützung wird an Auflagen geknüpft: In der Hamburger HafenCity etwa müssen Baugemeinschaften einen Architektenwettbewerb durchführen und im Erdgeschoss eine öffentlichkeitsbezogene Nutzung vorsehen. Auch in Berlin sind Baugemeinschaften auf dem Vormarsch - nicht zuletzt, weil sie für schwierige Grundstücke massgeschneiderte Lösungen bieten. In Südbaden finden sich erst einzelne Bauten von Baugemeinschaften.

Was sind Baugemeinschaften?

Ein lesenswerter Ein- und Überblick findet sich unter > "Baugemeinschaften Stuttgart".

Baugemeinschaften im Dreiland

Auch im Dreiland formieren sich immer mehr Gruppen mit dem Ziel, ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu realisieren: Leben am Eisweiher, Wohnvision am Hochrhein, Zimmerfrei, Spätlese, Verein Gemeinsam älter werden und Belétage sind nur einige von ihnen.